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A. Jugendherberge Birkenheide - B. Oldenburger Baugeschichte: Der Schloßplatz im Wandel der Zeit - Schicksale von Gebäuden und Denkmäler in der Stadt Oldenburg - C. Denkmalschutz -


Jugendherberge Birkenheide in Ganderkesee Foto Archiv: Stolle

Meine Sommerferien verbrachte ich als Kind bei Tante Friedchen und Onkel Helmut in der Jugendherberge Birkenheide bei Ganderkesee. Das 1.Mal war die Anreise für mich fast wie eine Weltreise. Mit dem von einer Dampflokomotive gezogenen Zug fuhr man zunächst vom Oldenburger Hauptbahnhof nach Delmenhorst. Dort stieg man in einen roten Schienenbus ein der nach Ganderkesee fuhr. Von da ging es zu Fuß oder später mit den Taxi zur Jugendherberge, die in einem herrlichen Waldgebiet mit Sandhügeln, die wir Berge nannten lag. Noch heute erinnere ich mich gerne an diese Zeit zurück.


Wo heute nur noch eine steinerne Treppe zu sehen ist (Bilder Mitte 1995 und unten 2005), die auf einen grünen verwilderten Hügel führt, der von einem rund umlaufenden Sockel begrenzt wird, stand einmal das Hauptgebäude der Jugendherberge Birkenheide. Das obere Bild aus den 60er Jahren mit Karsten dem ersten Enkel der Herbergseltern entstand an der gleichen Stelle und zeigen den Mitteltrakt des Gebäudes in dem sich einst die Anmeldung und seit 1958 die Wohnung der Herbergseltern befanden. Heute erinnert auf dem von Pfandfindern genutzten Gelände nur noch das als Pfadfinderheim genutzte „Hexenhaus“ an die alte Zeit. In diesem bereits 1890 erbauten Haus wohnten bis 1957 die Herbergseltern, ab 1958 waren dort Schlafräume untergebracht.

Waldheim Birkenheide um 1930 Bild unten: "Hexenhaus"

Das Hauptgebäude der Jugendherberge Birkenheide bei Ganderkesee wurde 1927 durch den Bremer Architekten Prof. Eduard Scotland (04.7.1885 -20.06.1945) erbaut. Dieser machte sich übrigens gemeinsam mit Alfred Runge als Architekt und Bauunternehmer selbstständig und baute zusammen für Ludwig Roselius die Westseite der Böttcherstraße in Bremen. Weltbekannt geworden ist auch die von ihm entworfene Reklame für die Firma Kaffee-Handels-AG (Kaffee Hag). Das von ihm erbaute Gebäude diente zunächst von 1927 bis 1931 als Medau-Gymnastikausbildungsstätte (Freikörperkultur) unter der Leitung von Margarethe Golz aus Bremen. 1932 ging das „Waldhaus Birkenheide“ in den Besitz von Walter Golz und Frau über, die das Haus Ende 1932 dem Landesverband Unterweser-Ems des Deutschen Jugendherbergswerk übereigneten, und es bis in die fünfziger Jahre als Herbergseltern führten.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dienten die Gebäude eine Zeit lang als Unterkunft für die Besatzungstruppen. Ältere Ganderkeseer erinnern sich noch heute daran, dass die Soldaten damals zu Tanzveranstaltungen junge Leute aus Ganderkesee mit ihren Fahrzeugen abholten und sie hinterher auch wieder in den Ort zurück brachten. Aber schon bald wurden die Gebäude wieder als  Jugendherberge genutzt. Bereits im Jahre 1946 bot die im Mai hergerichtete Jugendherberge bereits wieder 50 Betten für Wanderer an und im Jahre 1948 konnten schon 13.000 Übernachtungen verzeichnet werden. Im Juni 1949 verfügte die Herberge schon wieder über 120 Betten.

Im Oldenburger Wanderbuch vom März 1951 findet man im Verzeichnis der Jugendherbergen folgenden Eintrag: Birkenheide (bei Ganderkesee); Bahnhof Immer 2,2 Km, Ganderkesee 3,8 Km. Herbergsvater Walter Golz, Ruf 234.

Im Mai 1953 verließ Herr Golz Birkenheide um in Berchtesgaden/ Königssee die Heimleitung eines Fremdenheimes zu übernehmen. Frau Golz leitete die Jugendherberge vorläufig weiter, bis mit dem Ehepaar Wischmeyer eine neue Leitung gefunden war, die aber bereits im März 1955 wie vorgesehen, die neue Jugendherberge in Sandhatten übernahm.

Mit ca. 10.000 Übernachtungen im Jahre 1955 konnte der neue Herbergsvater Janßen einen neuen Belegungsrekord vermelden. Dazu beigetragen hatten zwei Großveranstaltungen, nämlich ein Pfadfinder-treffen im April 1955 mit 236 Jungen und das Kreisjugendtreffen mit 180 Jugendliche. Den Großteil der Gäste stellten damals die Bremer Schulen und geschlossene Organisationen, aber auch 156 Einzelwanderer aus vielen Ländern. Dafür gab es in der Herberge 110 „offizielle“ Betten und ferner 25 Notlager, die auf 40 erweitert werden konnten. Im Jahr 1956 wurde es aber wieder ruhiger in der Jugendherberge und der Vorjahresrekord wurde nicht mehr erreicht, was nach Meinung des Herbergsvaters auch an der Konkurrenz der Schullandheime läge.

Im März 1958 gab es dann Gerüchte, das der Herbergsleiter heimlich seinen Posten verlassen habe und mit seiner Familie über die Zonengrenze gegangen sei. Das DJH bestätigte auf Nachfrage der örtlichen Presse, das man dem Herbergspaar wegen Schädigung des Verbandes fristlos gekündigt habe. Der Herbergsvater Cech aus Norderney leitete im April 1958 vorübergehend die Herberge, da sie bereits über die Osterfeiertage vollbelegt war.

Im Mai 1958 übernahmen Elfriede und  Helmut Stolle aus Oldenburg als neue Herbergseltern die Jugendherberge Birkenheide, Elfriede Stolle brachte als langjährige Mitarbeiterin, der von Martha und Herbert Bokelmann geleiteten Jugendherberge Oldenburg, die erforderliche Berufserfahrung mit. In der ersten Hauptsaison von Mai bis September zählten sie bereits 7.000 Übernachtungen und auch in den Herbst und Wintermonaten herrschte reges Leben, da zahlreiche Bremer Pfadfindergruppen die Jugendherberge als Tagungsstätte benutzen.

Nach dem 1959 mit 9.748 Übernachtungen ein Rekordergebnis gebracht hatte, lag 1961 die Auslastung mit nur 6.500 an der unteren Grenze der Rentabilität. Aber bereits im Folgejahr ging es wieder bergauf. Die Übernachtungen für 1965: 8.500, 1966: 7.800 und 1967: 7.557 zeigten das Birkenheide gegenüber den neuen Jugendherbergen attraktiv blieb.
Dafür sorgten vor allem Stammgäste, dazu zählte z. B. der Kindergarten Bremen-Neustadt der 1977 zum 21sten mal für 3 Wochen Mädchen und Jungen schickte und 19 Jahre lang schickte das Gelsenkirchener Jugendamt in den 6 wöchigen Sommerferien, für jeweils drei Wochen, zwei Gruppen (je 76 Personen) zur Erholung nach Birkenheide.

Zuletzt bot die Herberge 76 Betten an, davon standen aber nur 32 in beheizbaren Räumen, ansonsten hätte man fast doppelt so viele Gäste aufnehmen können, 1976 gab es 7.000 Übernachtungsgäste, für 1977 wurden 7.600 angepeilt.

Nach fast 21 Jahren ging das Herbergspaar im Oktober 1978 in den Ruhestand, nachdem in einer Feierstunde am 29.10.1978 den Eheleuten Stolle die silberne Ehrennadel des Verbandes verliehen wurde, würdigte Ganderkesees stellv. Bürgermeister Selke das Wirken des Herbergspaares und bedauerte das mit der Ära Stolle auch die Jugendherberge Birkenheide zu Ende gehe. In der Presse las man: "Die Jugendherberge Ganderkesee-Birkenheide, die jetzt ihre Pforten schließt, kann nach den Worten der Herbergsmutter Elfriede Stolle mit einem kleinen Museum verglichen werden. Es handelt sich in der Bundesrepublik um die letzte Jugendherberge, die noch mit einem Kohleherd ausgerüstet ist."

Anfang der 60er feierten wir die Goldene Hochzeit meiner Großeltern Alwine und August Stolle in Birkenheide

Die Jugendherberge Birkenheide 1966, die Treppe führte zur Anmeldung. Fotos: Stolle

Das Gebäude der Jugendherberge war überwiegend aus Holz gebaut und hatte dunkelrote Außenwände. Die Fensterrahmen waren weiß und die Fensterläden grün gestrichen. Der eindrucksvollste Gebäudeteil war das vor dem Mitteltrakt liegende Rondell, dessen Untergeschoss ein runder aus Stein gebauter Kellerraum bildete, dessen Eingang zwar ebenerdig lag, der Keller war jedoch in den Hügel hinein gebaut. Die darüber liegende rundum mit Fenstern versehende Etage, war nur vom dem dahinter liegenden Mitteltrakt der Herberge zu betreten und wurde als Tagesraum genutzt. Das Dach des Rundbaus wurde von einer Turmspitze gekrönt. Der östliche Teil des Mitteltraktes lag auf einen Hügel und war eingeschossig, hier befand sich der Hauseingang zur Anmeldung und den, Privaträumen, außerdem lagen am östlichen Ende mehrere Vierbettzimmer. Den Abschluss bildete auf dieser Seite ein zweigeschossiges quadratisches Gebäude mit einem flachen Walmdach, in dem Gebäude befanden sich Schlafräumen, Toiletten und der Eingang für die Gäste. Der westliche Teil des Mitteltrakts verfügte über ein aus steingebautes Untergeschoss, das als Keller und Vorratsraum genutzt wurde und in einem Hügel hineingebaut war, so dass die Vorderfront zweigeschossig, die Rückfront aber nur eingeschossig war. Im diesem Trakt befanden sich Bad, Waschräume, der Spülraum und die Küche, die von vorne über eine Außentreppe auch einen direkten Hauseingang hatte. Der Mitteltrakt hatte in den sechziger Jahren eine Brandmauer Zwischen Küche und Spülraum erhalten. Am westlichen Ende des Traktes schloss sich eine große hohe ovale Halle an. Kam man vom Mitteltrakt in die Halle hinein, so führte zunächst eine Treppe auf eine Empore, die anfangs noch als Schlafraum genutzt wurde. Von dort konnte man die gesamte Halle Richtung Westen überblicken. Unter der Empore lagen Toiletten und ein Kiosk, der Kantine genannt wurde. Die Halle selbst wurde als Ess- und Veranstaltungs-raum genutzt, eine ca. 2,5 m hohe Holzwand mit einer Tür trennte im hinteren westlichen Teil des Saales noch einen Schlafraum ab. Auf der Südseite hatte die Halle 2 Außentüren die beide zum hinter der Herberge liegenden Sportplatz führten. Die nördliche Außentür war meist verschlossen, da sie auf das von den Herbergseltern privat genutzte Gelände führte, dort lag ein längerer Holzschuppen mit Hundezwinger und Arbeitsräumen. Weitere Schlafräume gab es übrigens noch in dem separat östlich von der Herberge im Wald stehenden „Hexenhaus“.

Blick von der Küchenterasse auf das Rondell 1966 Fotos Archiv Stolle

Auf dem unteren Bild links ist die Steintreppe zur Küche zu erkennen, auf den rechten Bild das Rondell, die Küchentreppe und im Hintergrund die große Halle. 

Im Jahre 1970 feierten Elfriede und Helmut Stolle, die 20 Jahre Herbergseltern in Birkenheide waren, in der großen Halle ihre Silberne Hochzeit.


Ein Blick in den Tagesraum, der neben dem Rondell lag.

Auf den weiteren Bildern, die während der Nachfeier der Silberhoch-zeit meiner Eltern im Jahre 1974 entstand, ist das Innere des Rondells zu sehen.

Nach dem Umzug des Ehepaares Stolle nach Ganderkesee Ende 1978, wurden für einige Zeit noch von einem Mieter der Herberge Einzelwanderer aufgenommen. Eine im August 1979 angekündigte Renovierung des Gebäudes war dem DJH dann aber doch zu kostenintensiv. Nachdem der Pachtvertrag auslief wurde dieser vom DJH nicht verlängert und das Gebäude wurde danach als reines Wohnhaus genutzt. Im Januar 1992 dachte der Gemeindedirektor von Ganderkesee über eine neue Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes als Künstlertreff nach, junge Künstler sollten mit Stipendien ausgestattet dort wohnen, arbeiten und zugleich ausstellen. Am 10.06.1992 wurde das Gebäude aber leider Opfer eines Brandes und versank unwiederbringlich in Schutt und Asche.

Kurz danach machte ich zusammen mit meinen Bruder eine Fahrradtour nach Birkenheide um mir ein Bild von dem Schaden zu machen.


Nur noch Teile des Rondells und die steinernde Brandmauer waren übrig geblieben. Das Rondell wurde leider nicht wiederaufgebaut, sondern wie die übrigen Teile eingeebnet. (Bilder H.Stolle)

Heute wird das Gelände vom Stamm Ganderik der Pfadfinderschaft Nordmark e.V. genutzt.  Näheres siehe unter:  www.ganderik


1. Der Schlossplatz im Wandel der Zeit

Am 16.03.2011 wurde das neue Einkaufszentrum „Schlosshöfe" in Oldenburg eröffnet, die Verwirklichung dieses Projektes war lange Zeit in der Bevölkerung umstritten, denn das Areal zwischen Schlossplatz und Mühlenstraße verändert damit sein Gesicht. Aber nicht zum ersten Mal, denn bereits mit dem Bau des Hallenbades 1959 wurde das einst u.a. von Heinrich Strack (1801 – 1880) geschaffene Gebäudeensemble am Schlossplatz gegenüber dem Schloss unwiderbringlich zerstört.

                                                                                                   

Foto oben: Blick auf Lambertikirche und Schloßplatz,  im Jahre 2013.  Dort wo sich heute die Schloßhöfe befindet, sah es 1939 noch ganz anders aus. Auf den mittleren Foto, sieht man vorne zunächst die Stallremise (damals war dort das Arbeitsamt), dahinter Freifläche des abgebrannten Marstalls, gefolgt von Kavalierhaus (Stadtbauamt), Schloßwache und Slevogtbau um 1939 Unteres Foto: Schloßwache (LzO-Eingang) und 91er Denkmal um 1939 Fotos Archiv Stolle

Das Marstallgebäude von 1775 und die dahinter liegende Reithalle waren allerdings bereits 1924 während des Kramermarktes einen Brand zum Opfer gefallen. Während die Fläche des Marstallgebäudes freigeräumt wurde, so dass man nun wieder einen Blick vom Schloss auf das alte Hoffinanzgebäude von 1741 hatte, blieb die Ruine der Reitbahn erst einmal stehen.

Erst Ende Januar 1937 begannen die Abrissarbeiten, dazu las man in der örtlichen Presse unter der Meldung: „Interessantes vom Abbruch der Marstallruinen“ folgendes: „Die Mauerer sind seit einigen Tagen damit beschäftigt die sehr starken Mauern der alten Reitbahn am Schloßplatz niederzulegen. Obgleich über zwölf Jahre hindurch die Witterung an dem Gemäuer nagte, ist es noch sehr fest, daß es besonderer Vorrichtungen bedarf um die Mauern zu stürzen. Gestern um die Mittagsstunde wurde ein großer Bogen, bestehend aus fast 30 Kubikmeter Mauerwerk mit dem Flaschenzug umgerissen. Nach langen und mit größter Vorsicht getroffenen Vorbereitungen kam der spannende Augenblick, wo die gelockerten Schlußsteine sich ganz lösten und die gewaltigen Mauermassen mit dumpfen Knall zu Bodenstürzten, sich hier in die einzelnen Bestandteile – brauchbare Mauersteine – auflösend. Zu den Augenblick des Einstuzes hatten sich eine Reihe von Fachleute eingefunden, die dabei wichtige Beobachtungen machten und in den wenig vorkommenden Abbrucharbeiten neue Erfahrungen sammeln konnten.“ Von Sprengungen hatte man aus Rücksicht auf die Nachbarschaft Abstand genommen und weil man das Steinmaterial wiederverwenden wollte.“ Bilder von der bereits 1937 abgerissenen Ruine findet man auch unter diesem Link . Ende der dreißiger Jahre plante man auf dem Areal der alten Hofstallungen noch den Bau eines neuen Rathauses. Der entstandene Platz hieß fortan Neuer Markt. Zur Poststraße hin blieb jedoch eine Außenmauer der Reitbahn erhalten, wie auf dem unteren Bild ersichtlich ist.

Oben: Schlosswache um 1930. (Sammlung Stolle)                   Mitte: Aufnahme 1964 mit LzO-Neubau (Foto A.Stolle)

Die Schlosswache im Mai 2013 das Schloß wirft seinen Schatten auf den neu angelegten Schloßplatz.  (Foto K.-D.Stolle)

Das auf dem Eckgrundstück Post- /Mühlenstraße, stehende Gebäude der ehemaligen großherzoglichen Hofhaltung, wurde erst später anstelle des Hauses des Bildschnitzers Elsner errichtet und ist im Februar 1958 abgebrochen worden. Die anschließende Mauer gehörte zu dem Rest der Reithalle, dahinter befand sich die im Jahre 1817 erbaute Stallremise, sie war das letzte erhaltene Gebäude des ursprünglichen Marstallkomplexes und bildete den Abschluss der Gebäudereihe der Schloßfreiheit, zwischen dem Marstallgebäude und der Poststraße gelegen, beherbergte das Gebäude bis Mitte der 50er das Arbeitsamt, 1957 erfolgte der Abbruch. Im Hintergrund ist das Schloß zu erkennen. Auf der Freifläche des 1924 abgebrannten Marstallgebäudes stand lange Zeit eine Baracke, in der nach 1945 u.a. das Wohnungsamt der Stadt untergebracht war. Das auf den hinteren Grundstück liegende Hoffinanzgebäude von 1741, das einen durch zwei Stallflügel abgegrenzten Vorhof besaß, in dessen Mitte zwei barocke Sandsteinsäulen den Eingang bildeten, wurde 1958 auch abgebrochen, um Platz für den Bau des neuen Hallenbades zu machen.

Nach dem Abriss der Marstall-gebäude an der Poststraße Ecke Mühlenstraße in den 50er Jahren entstand hier das neue Hallenbad. Im Jahre 2007 wurde das Hallenbad abgerissen, heute prägt nun das Parkhaus der "Schloßhöfe" das Eckgrund-stück.

 (Bilder: 1 u. 2 Archiv Stolle / Bild 3 K.-D.Stolle 2011) 

Die Stadt nutzte auch das neben der Schlosswache liegende Kavalierhaus, in dem das Bauamt untergebracht war. Das auch kleines Palais genannte Gebäude, das im Jahre 1839 errichtet wurde, mit seinem einmalig runden Treppenhaus musste im Januar 1960 leider dem Erweiterungsbau der LzO weichen.

Lediglich die 1839 erbaute Schlosswache blieb bis heute erhalten. Im Jahre 1936 wurde das Gebäude mit der dorischen Säulenhalle der neue Eingang der Sparkasse, nachdem es durch einen über die Hausbäke errichteten Zwischenbau mit dem Hauptgebäude der Landessparkasse verbunden wurde. Das 1900 von Rauchheld errichtete Bankgebäude wurde dabei dem Stil der Wache angepasst und verlor seine Erker und Giebel. Der Zwischenbau wurde 1963 bereits wieder durch den neuen Eingangsbereich des damaligen LzO-Neubaus ersetzt.

In den Jahren 1959 bis 1966 veränderte sich der Bereich zwischen Schloß und Mühlenstraße, neben dem neuen Hallenbad und der LzO-Zentrale, entstand auch der Bankneubau der BLB/SKA und das Warenhaus Horten. Der entstandene Platz hiess nun Berliner Platz. Die damals von den Stadtoberen als beispielhafte bauliche Neuordnung bejubelte neue Architektur war aber auch damals in Teilen der Bevölkerung nicht unumstritten.   

Oben: Neubau Fernmeldeamt 1964 Giebel des Kaufhaus Merkur noch sichtbar.             Mitte: 1965  Hortenneubau an der Mühlenstraße  (Fotos: A.Stolle)

Mühlenstraße 2011, die Hortenkacheln wurden ausgetauscht Foto K-D.Stolle

Der Zahn der Zeit nagte jedoch am von Kritikern „Glaskasten“ genannten Hallenbad, im Jahre 2001 musste es geschlossen werden, das inzwischen unansehnlich gewordene Gebäude wurde noch für einige andere Veranstaltungen genutzt, bevor es ab 14.05.2007 abgerissen wurde. Bereits seit 2003 gab es Planungen hier ein Einkaufzentrum zu errichten, aber erst im Jahre 2009 begannen die Bauarbeiten. Nachdem die neue LzO-Zentrale am ZOB fertiggestellt war, wurden auch die Landesspar-kasse mit Ausnahme der Schlosswache abgerissen, das neue Stammhaus der Sparkasse am Schlossplatz wird im Juni 2011 eröffnet.

Blick auf die Schlosshöfe an der Poststraße (Foto KD Stolle)

Die Bärengruppe steht wieder an alter Stelle auf dem Oldenburger Schloßplatz, darüber ein Bild aus vergangenen Tagen.

2. Die drei Bären vom ehemaligen Berliner Platz

Die drei Bären waren für längere Zeit irgendwo in Oldenburgl eingelagert bis sie laut NWZ am 28.12.2011 wieder am Schlossplatz aufgestellt wurden.

Nach der Fertigstellung des ehemaligen Berliner Platzes am Schloß in Oldenburg (Oldb) wurde 1964/65 auf dem Platz an der Schloßseite des Hallenbades eine aus drei Bären bestehende Plastik aufgestellt. Das von den an der Umgestaltung des Areals beteiligten Firmen im Auftrag gegebene Kunstwerk ging in den Besitz der Stadt über. Zunächst wurde noch von einigen Kritikern gemäkelt, dass aufgrund der Schnauze die Bären eher das Aussehen von Schweinen hätten, doch die Oldenburger gewöhnten sich an die Gruppe und jahrelang gehörte die Bärengruppe zum Stadtbild von Oldenburg, bis Sie wegen der Neubebauung des Areals zunächst aus dem Stadtbild mit ungewisser Zukunft verschwanden. Da zum 05.01.2009 der Name "Berliner Platz" zum Neubau der Zentrale der Landessparkasse (Einmündung Maastrichter Straße/Straßburger Straße) in der Nähe des ZOB umzog und die verbleibenen Freiflächen seit 2009 dem Schlossplatz zugeschlagen wurden, gab es Überlegungen für einen anderen Standort. Doch auf Wunsch der Oldenburger erhielten die monatelang in einem Depot eingelagerten Bären, nach Fertigstellung des Platzes ihren angestammten Standort zurück.

3.  - Schicksale von Gebäuden und Denkmäler in der Stadt Oldenburg                                 

Oldenburgs verschwundene Kaufhäuser

Für den Warenhausneubau Horten musste das Gebäude des ehemaligen Kaufhaus Hitzegrad, das um 1913 an der Ecke Ritterstraße Mühlenstraße erbaut worden und seit 1953 Heimat des Kaufhauses "Merkur" gewesen war, im Jahre 1964 weichen. Stattdessen entstand hier das Warenhaus mit seiner eher langweiligen grauen Waben-Fassade. Am 15.06.1965 öffnete das neue Warenhaus seine Pforten. Der auf dem Schloßplatz errichtete Aushilfsbau des Kaufhauses Merkur wurde im Sommer 1965 noch für eine Camping-Ausstellung genutzt, bevor er wieder abgerissen wurde. Aus Horten ist inzwischen Galeria Kaufhof geworden und 2010/2011 löste eine Fassade aus weißlich-grünen Glas die Horten-Kachel ab.

Aus gleicher Blickrichtung aufgenommen links das alte Merkur-Kaufhaus und rechts Horten kurz vor seiner Fertigstellung. Fotos: Archiv/A.Stolle  

Bilder oben Kaufhaus Gehrels und das an seiner Stelle errichtete Neckermann-Gebäude  (Fotos Alfred Stolle)       

Auch das zweite erhaltenswerte Kaufhaus Gehrels verschwand um 1965, das Eckgebäude war eines der wichtigsten Jugendstilbeispiele in der Stadt Oldenburg. Leider hatte man das in den 60er Jahren nicht erkannt. Das hier entstandene Neckermann-Kaufhaus wurde bereits nach einigen Jahren geschlossen und danach stand das Gebäude einige Zeit leer, bevor dort unter anderen ein schwedisches Textilhaus einzog. Lange Zeit war auch das beliebte Saunarium dort untergebracht.

Herbarts Geburtshaus Schicksal eines Baudenkmals

Ein Hobby von mir ist die Stadtgeschichte meiner Heimatstadt Oldenburg. Obwohl die Stadt den zweiten Weltkrieg fast unzerstört überstand wurden doch viele erhaltenswerte Gebäude ein Opfer des Modernisierungswahns der Nachkriegszeit. Eine meiner ersten Erinnerung, die ich von der Oldenburger Innenstadt habe ist die von einem wunderschönen Fachwerkhaus. Es muss Ende der fünfziger Jahre gewesen sein, als ich mit meiner Familie auf den Weg zum Kramermarkt, einem Volksfest das damals noch auf dem Pferdemarkt stattfand, die Innenstadt durchquerte. Das Haus fiel mir zunächst auf, weil dort in der Ladenpassage ein als Clown verkleideter Mann musizierte. Es dürfte sich dabei um „Martino“ gehandelt haben. Aber noch faszinierter war ich von dem Gebäude einem Fachwerkhaus mit einem abgewalmten Giebel. Das Holz der Fachwerk-fassade hatte eine rotbraune Farbe, die Steinwand war weiß getüncht. Bei späteren Besuchen in der Innenstadt konnte ich dieses Gebäude leider nicht wieder finden. Erst einige Jahre später bekam ich eine Ansichtskarte in der Hand auf dem das Haus abgebildet war. Es handelte sich um das Geburtshaus des Pädagogen und Philosophen Johann Friederich Herbart, der hier am 04.05.1776 geboren wurde. Trotzdem hat man dieses Gebäude, das kurz dem Stadtbrand 1676 entstand und lange Zeit auch Stammhaus der Firma Sartorius war, aus mir unverständlichen Gründen im Jahre 1961 abgerissen. Für Oldenburg wäre Herbarts Geburtshaus im Zeitalter des Fremdenverkehrs eine echte Sehenswürdigkeit gewesen, doch Anfang der sechziger Jahre hatte man dafür leider noch kein Gespür. So ging es unwiederbringlich verloren, was einen bedauernswerten Verlust für die Stadt Oldenburg darstellt.

Heute steht an dieser Stelle ein eher langweiliges modernes Geschäftshaus. Der Durchgang im Erdgeschoss führt zum dahinter liegenden Herbartgang. Obwohl ich bereits als Kind diesen Gang häufig benutzte, da am damaligen Ende eine italienische Eisbude stand und es dort das besten Eis gab, das ich jemals gegessen habe, damals kam mir nicht in den Sinn, das ich dem vermissten Haus so nah war. Als mein Onkel das untere Foto vermutlich um 1990 aufnahm, wurde das Gebäude noch vom Textilhaus Hettlage mitbenutzt. Und man hatte den Eingangsbereich künstlerisch neu gestaltet, auf einer Säule ist auf Bronzeplatten unter anderen auch das alte Fachwerkgebäude dargestellt. Das von der OLB benutzte benachbarte Walmdachgebäude ist vor einigen Jahren durch einen Neubau der der Altstadtbebauung angepasst ist ersetzt worden.


Bild oben links:  Herbartsgeburtshaus um 1960. - rechts oben der Neubau um 1990 rechts unten 2011. Foto: Archiv/Stolle Weitere Bilder von dem Haus findet man unter: www.alt-oldenburg.de   

Im Hintergrund auf dem Bild oben rechts ist der „Lappan“, das Wahrzeichen von Oldenburg zu sehen. Der Turm der ehemaligen Heiligengeistkapelle erhielt erst im 19. Jahrhundert diesen Namen, vorher galt der Name nur für die Anbauten, kleine windschiefe Häuser, die nach dem Abbruch des beim Stadtbrand 1676 zerstörten Kapellengewölbes an den Turm an gelappt wurden. Der Turm wurde 1468 als Glockenturm der bereits 1396 errichteten Heiliggeistkapelle erbaut, bereits seit 1606 wurde die Kapelle nicht mehr als Gotteshaus genutzt. Die jetzige Spitze erhielt der Turm 1709, von 1807 bis 1876 war im „Lappan“ eine Gaststätte untergebracht. Mehrfach plante die Stadt den Abbruch des Turmes, 1800 verhinderte Herzog Peter Friedrich Ludwig jedoch den Abbruch und 1853 die Proteste der Oldenburger Bevölkerung. 1909 wurde der Turm aufwendig restauriert, danach eröffnete Carl G. Oncken im Lappan eine renommierte Kunsthandlung, die durch die Förderung der Brücke Maler Erich Heckel, Schmidt-Rottluf und Emma Ritter bekannt wurde. Heute ist dort ein Reisebüro, eine Kunstschmiede und ein Kiosk untergebracht.


Friedenssäule am Friedensplatz

Während man in anderen Orten Säulen findet, die von einer Statue gekrönt werden, fehlt auf der Säule am Friedensplatz in Oldenburg eine Figur. Schon als Kind fand ich das irgendwie schade. Als die Friedenssäule 1878 enthüllt wurde, thronte nämlich auf der knapp 6,5 Meter hohen polierten Granitsäule ein Replik einer goldenen Viktoria von Christian Daniel Rauch aus der Regensburger Walhalla. Zum Friedensengel umgedeutet, gab die Siegesgöttin dem Platz seinen Namen. Diese Figur wurde im Jahre 1943 von der Säule geholt, im Bauhof gelagert und später eingeschmolzen. Als die Säule in den siebziger Jahre saniert wurde, hatte man die Idee auch eine neue Viktoria anzuschaffen. Es sollte eine Kopie von einer ähnlichen Statue, die sich in Neustrelitz in der damaligen DDR befand angefertigt werden. Doch wie es so oft in Oldenburg ist, meldeten sich sofort Gegner des Projekts zu Wort, die auch die Mehrheit im Rat fanden und so wurde leider nichts aus diesem Plan.

Als ich am 30.05.1986 morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, sah ich schon von Haarenufer aus, das etwas Goldenes zwischen den Bäumen glitzerte. Ich merkte dann, dass auf der Säule am Friedensplatz wieder eine Viktoria stand und freute mich, weil die Verantwortlichen der Stadt sich scheinbar doch anders entschieden hatten. Am nächsten Tag erfuhr ich aber aus der Zeitung das eine Gruppe um den MdL Schramm einen 3,60 m hohen Engel, der aus Styropor und Leinen gefertigt war und durch einen Leimanstrich wetterfest gemacht wurde heimlich auf die Säule gestellt hatten. Geschaffen worden war der Engel von Henryk Zdorojewski, Bühnenbildner am Staatstheater. Leider forderten die bekannten Gegner, dass die Statue sofort wieder entfernt werden müsse, so war sie dann nach kurzer Zeit leider wieder verschwunden, ich weiss nur das sie an eine Gemeinde in Niedersachsen verschenkt wurde. Im Nachlass meines Onkels Alfred Stolle fand sich jedoch zu meiner Freude ein Foto vom 03.06.1986 auf dem er das Ereignis verewigt hatte. Meiner Meinung nach, wäre die Viktoria eine echte Sehenswürdigkeit für Oldenburg als ehemalige Residenzstadt gewesen.                                                                                       

Wie der Nordwest-Zeitung zu entnehmen ist, hat der Oldenburger Kaufmann Hermann Griepenkerl im Sommer 2008 einen neuen Vorstoß für ein Projekt „Neuer Engel für die Friedensplatz-Säule“ unternommen. Erste Reaktionen aus der Bevölkerung waren durchaus positiv, etliche Bürgerinnen und Bürger haben sich bereits bei der NWZ gemeldet und Spenden oder die Mitarbeit in einer Initiative angeboten. (Quelle: NWZ 08.08.2008). Wie erwartet fand das Vorhaben, bei Rat und Verwaltung der Stadt leider keine Unterstützung, so das die Säule auch weiterhin leider ein Torso bleibt. (Quelle NWZ 19.09.2008).

Handelshof Stau 1


Der spätere "Handelshof" wurde 1804 als Wohnhaus des Zuckerfabrikanten Nikolaus Bulling, der Speicher der Zuckerfabrik steht noch heute nebenan, an der Ecke Stau/Staulinie erbaut. Seit 1827 war das Haus Dominizil des Theaterintendanten von Gall, 1862 erwarb der Eduard Hampe das Grundstück es entstand im Sinn der Burgenromantik die verzierte Fassade mit Gusseisenloggia und Zinnenkrone. Hinter der Fassade steckte ein normaler Fachwerkbau. Hampe betrieb ab 1862 das "Hotel de Russie", ab 1914 hiess es "Preussischer Hof". Ab 1918 wurde das Gebäude als Bürohaus genutzt. Es beherbergte Anwalts-kanzeleien, Agenturen, Handeslgesellschaften, Partei- und Vereinsbüros etc. Auch das Innere Gebäude war sehenswert, besonders die Treppenkonstruktion aus Eisengussteilen. Leider verkam das Gebäude zusehens und 1967 wurde der "Handelshof" abgebrochen und durch ein mehrstöckiges Gebäude ersetzt. Kurz vor dem Abbruch machte mein Onkel Alfred Stolle das obere Foto. Es ging damit ein Baudenkmal verloren, von dem es in Oldenburg keines mehr gibt. Denn bereits 1955 wurde das einzige vergleichbare Bauwerk, die am Julius-Mosen-Platz liegende 1880 errichtete Feuerwache abgerissen.

Geschäftshaus in der Gaststraße (ehemals Bamberger & Theophil)

Das es auch heute auch anders geht zeigt, das nach der Geschäftsaufgabe der Quelle-Filiale das Haus Gaststraße 24/25 komplett umgebaut worden ist, dabei orientierte man sich am historischen Vorbild mit großen Fenstern und vier Meter hohen Decken. Das Gebäude in der Gaststraße wurde um 1912 von der Bamberger und Theophil OHG, Maßschneiderei, erbaut. Das „Spezialgeschäft für feinste Herren- und Damenmode “ war eines der führenden Konfektionshäuser zur damaligen Zeit. Der „Hoflieferant“, der auch Uniformen anbot, warb mit  „bester Ausführung“ und „soliden Preisen“.

Auch mein Großvater August Stolle arbeitete als Schneider in den zwanziger Jahren bei dieser Firma. Mein Vater berichtet mir davon, dass er mittags meinen Opa öfters das Essen brachte, damals gab es aber schon die neue Herren-schneiderei, die sich hinter dem Haus auf einen Grundstück an der Straße Abraham befand. Die obere Etage über dem Geschäft wurde damals von der Damenschneiderei genutzt.

Bereits während der Inflation hatte sein ältester Bruder Herbert Bokelmann am Mittag immer, das täglich ausgezahlte Gehalt abholen müssen, damit sofort die notwendigen Lebensmittel besorgt werden konnten, da die Preise zum Feierabend bereits wieder so teurer geworden waren, das man nichts mehr dafür bekam. Ende der 50er-Jahre zog dann die Quelle-Agentur in die Geschäftsräume ein. Nun eröffnete hier ein Geschäft für Porzellan und Glas, das den Namen "Tafelhaus" führt.  

Bilder des Gebäudes findet man unter: www. alt-oldenburg.de unter Gaststraße 

Graf-Christopher-Haus

Aber auch schon 1926 musste ein Gebäude mit Geschichte verschwinden, dessen Wert man wohl nicht erkannte, dass an der Mühlenstraße liegende Graf-Christopher-Haus. Es wurde 1555 von Graf Christoph (1504 – 1566) einem Bruder des regierenden Grafen Anton I. erbaut und war neben dem alten Rathaus der einzig nennenswerte Renaissancebau der Stadt Oldenburg. Das Anwesen hatte einen für Adelshöfe üblichen Rittersaal, einen Erker, Treppenturm und einem polygonen Türmchen zur Hausbäke, die etwa in Höhe des heutigen Philipp-Reis-Gang floss. Vor allem während der Wintermonate hielt sich Christoph, der sich vorallen als Söldnerführer einen Namen machte, hier auf. Noch im Burgbereich unweit des Regierungssitzes und doch abgesondert von der Entscheidungsgewalt des Grafen. Danach wohnten der Landdrost, die Gräfin von Weißenwolf und um 1680 die Prinzessin de la Tre`molle dort. 1764 kaufte es Burchard Christoph von Münnich, der es als Alterssitz herrichten ließ, jedoch vor der Umsiedlung aus Petersburg 1767 starb. Schließlich gelangte es in den Besitz von Herzog Peter Friedrich Ludwig, der 1814 das großherzogliche Gymnasium dort einrichtete. Seit 1878 beherbergte es dann das Verwaltungsamt und das statistische Büro und verkam zusehends. 1909 erwarb die Reichspost das Gebäude, um das Telegrafenamt dort unterzubringen. Nach dem nicht unumstrittenen Abbruch wurde dann von 1927 bis 1929 auf dem Grundstück das Telegrafenamt Mühlenstraße 20 errichtetet, übrigens wohl der einzige Bau im Architekturstil der zwanziger Jahre. Bilder sind auf der Seite www.alt-oldenburg.de (Mühlenstraße) zu sehen, das dort erwähnte Hospiz zum Grafen Christoph, lag dagegen südlicher auf dem Grundstück Mühlenstraße 18 und wurde 1961 abgebrochen, um im Jahre 1963 das klimatisierte Glasgebäude des Fernmeldeamtes dort zu errichten. Bei diesem Erweiterungsbau wurde die Erdgeschossfassade des 1927 errichteten Altbaues völlig zerstört. Nur ein paar Köpfe und Medaillons, die etwas verloren die Ziegelflächen der Obergeschosse zieren erinnern noch daran.

Gartenstraße 8

Es gibt aber auch positive Beispiele wie die Villa Gartenstr. 8 an der Ecke Moltkestraße. Diese aufwendige Villa wurde 1888 vom Minister von Berg errichtet.1902 erwarb der Brennereibesitzer Gustav Hullmann aus Etzhorn das Gebäude. Architekt war der Baurat Heinrich Frühstück. 1942 übernahm die EWE das Haus, die dort eine Lehrküche einrichtete. Bis 1980 stand es als "Haus der Frau" im Mittelpunkt vieler Informationsver-anstaltungen.

Zu dem Haus gehört noch heute ein sehr schönes ehemaliges Kutscherhaus mit Pferdestall und Wagenremise. Diese Villa wäre um 1980 beinahe auch der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Für ein neues größeres Kundenberatungs-zentrum sollte das  Gebäude abgerissen werden. Damals regte sich allerdings Protest, denn nachdem bereits andere Villen durch Neubauten ersetzt wurden drohte die Gartenstraße ihr Gesicht der zu verlieren. Die EWE entschloss sich letztlich das Beratungszentrum am Julius-Mosen-Platz zu errichten, und sanierte die bisher von ihr genutzte Villa.

Reizvolles Ensemble in Eversten vernichtet.

Immer wenn ich mit den Bus in die Oldenburger Innenstadt fuhr, fielen mir die zwei Landhäuser gegenüber dem Eversten Holz auf, die jahrelang die Hauptstraße im Oldenburger Stadtteil Eversten prägten. Während das 1836 von Conrad Heinrich Hegeler errichtete Gebäude Hauptstraße 19, das lange die Gartentor Apotheke beherbergt hat, anfang der siebziger Jahre renoviert wurde, ist das benachbarte Hoyersche Landhaus (Hauptstraße 23/25) heute leider verschwunden, Das Gebäude war im Jahre 1836/1837 erbaut und 1862 von Johann Heinrich Hoyer erworben worden. Doch 1973 wird das Gebäude, das eines der schönsten vorstädtischen Landhäuser gewesen ist, abgerissen. Dabei gab es seinerzeit Interessenten die bereit gewesen wären, das Landhaus zu renovieren. Doch die Oldenburger Wohnungsbaugesellschaft GSG ließ das Gebäude kurzerhand abreißen, um ein gesichtsloses Wohnhaus aus Stahl und Beton zu errichten.


Das obere Foto zeigt Hoyers Landhaus, das im Jahre 1970 abgerissen wurde. Die Villa Hauptstraße 19 (Mitte) überstand bisher die Abrißwut, die Gartentor-Apotheke ist aber mittlerweile ausgezogen. Das untere Foto zeigt die Villa am 19.11.2007. 


Die Stiftung Denkmalschutz kümmert sich schon seit Jahren um die Rettung und den Erhalt von Denkmalen. Mehr unter:

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